Literaturveröffentlichungen
Sinnbild der bildgebenden Diagnostik des Frauenarztes
Das Verfahren ist sehr leistungsfähig und generell verfügbar.
Seine Handhabung ist einfach, und es lässt sich auch
von weniger erfahrenen Anwendern in der Praxis einsetzen.
Die
Transvaginalsonographie (TVS) ist als generell verfügbare, einfach
handzuhabende, ungefährliche, schmerzlose, wiederholt anwend- und
reproduzierbare und nicht invasive Untersuchungsmethode einzustufen.
In
der Routinediagnostik steht sie zusammen mit der Spekulum und Tastuntersuchung
an oberster Stelle der diagnostischen, differentialdiagnostischen
und therapeutischen Überlegungen. Diese
kombinierte Anwendung verschafft einen signifikanten Zugewinn an
diagnostischer Informafion, eine Vorverlegung von Diagnosestellungen
sowie eine gezielte und rationelle Indikationsstellung zu differenzierten
Zusatzuntersuchungen wie Hormonuntersuchungen, Computer- und Kernspintomographie
oder operativen Verfahren.
Durch ein derartiges stufenweises Vorgehen werden invasive und/
oder kostenintensive Untersuchungen reduziert.
2D-Basisdiagnostik,
3D und Farbdoppler
Die
sonomorphologische Basisdiagnostik erfolgt im real-time, zweidimensionalen
(2D) B-Bild-Verfahren.
Die
dreidimensionale (3D) Ultraschalltechnik mit der Möglichkeit der
Oberflächen- und Transparenzdarstellung wird additiv zur 2-D-TVS
eingesetzt, wenn es darum geht, komplexe anatomische Verhältnisse
zu visualisieren oder Organ- bzw. Gewebegrenzschichten zur Beurteilung
des Vorliegens eines invasiven Tumorwachstums abzubilden. (Abb.l)

Abb.1: 3D-Darstellung eines polyfollikuären Ovars
Das
3D-Bild wird durch Computerprogramme aus einer Vielzahl von Schnittbildern,
die die gesamte morphologische Bildinformation der interessierenden
Organstruktur enthalten, erzeugt. Bei der 3D-Sonographie sind mit
einer einzigen Schnittbildeinstellung unbegrenzt viele Schnittbilder.
verfügbar, wodurch sich das geschallte Volumen systematisch durchschichten
lässt (Ultraschalltomographie). Durch die 3D-real-time-Darstellung
wird das diagnostische Potential dieser Technik weiter erhöht.
Durch
das Hinzuschalten des Farbdopplers erhält die anatomische B-BildTVS
Dimension einer physiologischen Untersuchungsmethode. Dadurch. wird
eine spezielle Angiodiagnostik im kleinen Becken der Frau möglich
gemacht.
Entscheidend
bei der Beurteilung der Durchblutungsverhältnisse in einem Organ
bzw. Gewebe ist die Verteilung der Farbpixel innerhalb der abgebildeten
Struktur. Die Durchblutung wird als niedrig definiert, wenn einzelne
Farbpixel am Rand oder zentral visualisierbar sind. Eine mittlere
Durchblutung liegt vor, wenn die Farbpixel konfluieren, eine starke
Durchblutung, wenn zusammenhängende Farbflächen sich abbilden. Bei
der fertilen Frau ist zu bedenken, dass die periendometriellen und
intraovariellen Flowverhältnisse durch das Zyklusgeschehen beeinflusst
werden und eine physiologische Neoangiogenese periovu1atorisch und
im Rahmen einer Implantation zu beobachten ist.
Da
Ultraschallwellen nur Grenzschichten, die eine charakteristische
akustische Impedanzgröße besitzen, abbilden, wird, die sonographische
Darstellbarkeit der Organe grundsätzlich durch die Reflexeigenschaften
der Gewebeschichten bestimmt: je höher der Impedanzsprung zwischen
den Gewebeschichten, desto besser die Visualisierbarkeit der Organe.
So sind Uterus, Ovarien, Harnblase, Darm oder Beckengefäße sehr
deutlich, normale Tuben selbst bei Verwendung hochfrequenter Schallköpfe
im Nativscan nicht abbildbar.
Die
Tube: das sonographische Problemorgan

Abb. 2: Abbildung der Pars ampullaris tubae (Pfeil 1) mit
Blick auf den Fimbrientrichter (Pfeil 2) postovulationem. Zufallsbefund.
Reichlich kontrastgebende freie Flüssigkeit in der Beckenhöhle
(Pfeil 3) |
Die
in der Beckenhöhle transvaginosonographisch fast immer
nachweisbare, physiologische Flüssigkeitsmenge von ca.
20 ml reicht nicht aus, um die Tuben sichtbar zu machen. Erschwerend
kommt ihre variable topographische Lage hinzu. Meistens liegen
die Tuben zwischen Darmschlingen versteckt.
Morphologisch
unveränderte Tuben sind transvaginosonographisch nur
wenn reichlich kontrastgebende Flüssigkeit in der Beckenhöhle
vorhanden ist (Abb. 2), Flüssigkeit in den Tuben selbst
sich befindet oder Ultraschallkontrastmittel zur Darstellung
verwendet wird (Abb 3).
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Ein
dritter Aspekt bei der Tubendarstellung ist ihre anatomische
Länge. Im Regelfall lassen sich die Tuben nur abschnittsweise
darstellen. Die sonographische Beurteilung der Tube in ihrer
Entität muß sich daher aus der Information mehrerer
Längs- und Horizontalschnitte, die in der Gegend der
Adnexabgänge, parauterin und im Douglas'schen -Raum anzufertigen
sind, zusammensetzen. |

Abb. 3: Echovistdarstellung einer normalen Tube (Pfeile)
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Die
gesunde Tube ist scharf abgesetzt, glatt konturiert, homogen und
weist eine mittelstarke Echodensität auf. Das Tubenlumen kann
innen als echofreies Areal bzw. reflexfreie bis -arme Zone erkennbar,
der Fimbrientrichter detailliert abbildbar sein. Andere Ultraschallimpedanzen
liegen vor, wenn die Struktur der muskulärmembranösen
Wandschichten der Tube durch pathologische Prozesse wie Entzündungen,
Endometriose, Tubargravidität oder Tumoren verändert ist.
Die erkrankte Tube ist dann bereits im Nativbild erkennbar.
Pathognomonische
Reflexbilder zeigt die entzündlich veränderte Tube. Typisch
ist ein längliches, von der Umgebung meist scharf abgesetztes,
ovoides und gewelltes Echogebilde (Abb 4). Dieses ist am häufigsten
im Douglas'schen Raum anzutreffen. Das Tubenlumen imponiert im wesentlichen
echofrei bis -arm. Im Inneren zu beobachtende strichförmige
Reflexe können ein septenartiges Aussehen und Mehrkammerigkeit
vortäuschen.
Multilokuäre
Ovarialtumoren sind hiervon differentialdiagnostisch abzugrenzen.
Bei der chronischen Verlaufsform zeigen sich die Tubenwände
als echodichte 1-2 mm breite Zonen. Die Diagnose wird gesichert
durch die gleichzeitige Darstellbarkeit des ipsilateralen
Ovars. |

Abb. 4: Sonomorphologisches Bild einer Saktosalpinx (Pfeil
1). Das ipsilaterale Ovar (Pfeil 2) ist mit abgebildet.
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Notfalldiagnostik
Unverzichtbar ist die TYS in der gynäkologischen Notfalldiagnostik.
Gerade bei akuten Schmerzzuständen und in Situationen abdominaler
Abwehrspannung, in denen herkömmliche Untersuchungsmethoden
unergiebig sind, lässt sich mit ihr noch effektiv untersuchen,
genitale von extragenitalen Ursachen abgrenzen und rasch die richtungsweisende
Diagnose stellen. Die durchschnittlichen TVS-Untersuchungszeiten
liegen dabei zwischen fünf und 15 Minuten.
Extrauterine Gravidität
Wichtiges sonographisches Leitkriterium für das Vorliegen einer
extrauterinen Gravidität ist der Nachweis reichlich freier
Flüssigkeit und/ oder diffus angeordneter, inhomogener überwiegend
echoarmer Reflexstrukturen als Korrelat zu koaguliertem Blut in
der Beckenhöhle. Signifikant vermehrte freie Flüssigkeit
findet sich auch bei entzündlichen Adnexprozessen und bei rupturierten
Ovarialzysten. Charakteristisch bei einer Tubargravidität ist,
dass ein die Chorionhöhle umgebendes Myometrium nicht darstellbar
ist.
"Triple-Diagnostik" erhöht die Zuverlässigkeit
Obgleich sich in vielen Fällen veränderten Geweben und
Strukturen typische, quasi pathognomonische, Reflexbilder zuordnen
lassen und beim Vorliegen bestimmter Analysekriterien Malignität
anzunehinen ist, ist die Spezifität des Ultraschalls im Hinblick
auf die Gewebedifferenzierung und auf die dignitätsprognostische
Aussage im Vergleich zum histologischen Befund niedrig. Dies impliziert,
dass der Ultraschall aufgrund seines rein qualitativen und deskriptiven
Charakters nicht für sich allein, sondern immer als Synopse
von Anamnese, Klinik und TVS zu betrachten ist. Diese "Triple-Diagnostik"
erhöht die Zuverlässigkeit der sonographischen Diagnosestellung
und verhindert Fehlinterpretationen der erhobenen Ultraschallbefünde.
Praxistipps/ Kernsätze:
Transvaginalsonographie
1.
Die Abbildung der normalen Tube im Nativscan ist ein Zufallsbefund
und gelingt nur, wenn ausreichend kontrastgebende freie Flüssigkeit
in der Beckenhöhle vorhanden ist, z.B. unmittelbar postovulatorisch.
2.
Charakteristisch für die TVSDiagnose "Tubargravidität"
ist, dass ein die Chorionhöhle umgebendes Myometrium nicht
abbildbar ist.
3.
Entscheidend bei der Beurteilung der Durchblutung eines Tumors ist
die Verteilung der Farbpixel innerhalb der abgebildeten Struktur.
4.
Der Ultraschall, ist stets als Synopse von Anamnese, Klinik und
Transvaginalsonographie zu sehen.
Autor: Dr. Thomas Sautter
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